Cococicimaka: eine Insel der Musik

Andrea Knechtle__

Letzte Woche startete die Harmonie Freienbach mit der Probearbeit für das Kindermusical «Cococicimaka», welches gemeinsam mit der Primarschule Freienbach realisiert wird. Lesen Sie das Interview mit den Projektverantwortlichen.

Wie kam die Idee zustande, das Kindermusical «Cococicimaka» in Freienbach aufzuführen?
Fabian Bucher Im Dezember 2005 habe ich eine der Aufführungen im Mythenforum in Schwyz besucht und war völlig begeistert. Mich faszinierte im Besonderen die Idee, dass ein ganzes Schulhaus und ein Musikverein gemeinsame Sache machten.
Ich setzte mir damals den Floh in den Kopf, dieses Musical auch einmal mit einem ganzen Schulhaus, in dem ich arbeite, zu realisieren. Nun hat sich diese Möglichkeit ergeben und ich freue mich riesig auf die kommenden Wochen. 

Wie haben die Kinder auf die Nachricht reagiert, dass sie ein Musical gestalten und aufführen dürfen? 
Fabian Bucher Die anfängliche Begeisterung hielt sich in Grenzen, denn die Kinder konnten nicht abschätzen, was sie erwarten wird. Nun kennen aber alle die Geschichte und spüren, dass da etwas Spezielles und Einmaliges auf sie zukommen wird. 

Am Projekt «Cococicimaka» sind mehr als 150 Schüler/innen beteiligt. Wie organisiert ihr die Probearbeit?
Monika Engeler Seit August 2009 ist in den Stundenplänen der Freienbacher Klassen am Montag eine sogenannte Sperrstunde verankert. Während dieser Zeit findet kein Fachunterricht wie Turnen, Technisches Gestalten usw. statt. Das erlaubt uns, ohne grösseren organisatorischen Aufwand schul-haus- und klas-senübergreifende Projekte zu realisieren. Auch spontane Aktionen sind möglich. Einerseits werden die einzelnen Klassen im Singunterricht proben und andererseits werden dazu eben diese Sperrstunden genutzt.
Zweifelsfrei wird durch dieses emotionale Ereignis das Zusammengehörigkeitsgefühl unter allen Beteiligten verstärkt. Wir verstehen uns nicht nur als Lehr- und Lernstätte für die sogenannten Leistungsfächer, sondern auch als Gestalter und Gestalterinnen eines Lebensraums für Kinder. Dieser übergeordnete Lernanlass unter-stützt unsere Bemühungen in diesem Bereich.

Kinder und Lehrer erwarten eine intensive Zeit. Was erhofft und erwünscht ihr euch davon?
Fabian Bucher Eines unserer schulhausintern gesteckten Ziele verlangt, dass wir uns als Schule vermehrt in der Öffentlichkeit präsentieren und engagieren. So haben wir in den vergangenen Monaten bereits einige Anlässe aufgrund dieser Zielsetzung realisiert und das Kindermusical ist nun der grosse Höhepunkt.
Ich wünsche mir, dass die Begeisterung der Projektgruppe die Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrpersonen immer mehr ansteckt und mit grossem Engagement mitgewirkt wird. Mit der Instrumentenvorstellung und dem Casting für die Hauptrollen ist der Start so richtig gelungen und mit dem Kickoff Ende März nimmt das Projekt immer konkretere Gestalt an.
Monika Engeler Miteinander auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten, das nicht nur darin besteht, ein Musical aufzuführen, sondern auch die Schule zu öffnen, ist eine hohe Motivation. Mit der konkreten Arbeit wächst die Identifikation mit dem Projekt, was den Spannungsbogen, die Freude und die Begeisterung auf die Aufführungen hin vergrössert. Und: Als soziales Lernfeld eignet sich das Projekt ausgezeichnet.

Du bist auch als Dirigent zweier Erwachsenenchöre tätig. Was ist anders, in der Zusammen-arbeit mit Kindern im Vergleich zu Erwachsenen?
Fabian Bucher Die musikalische Arbeit mit den Kindern ist in den unteren Klassen meist ziemlich unverkrampft und es wird allgemein sehr gern und oft gesungen. In den oberen Klassen braucht es manchmal einiges an Überzeugungskraft, dass das Singen eine Tätigkeit bleibt, bei der man sich nicht schämen muss. Hier spielt die Vorbildwirkung der Lehrpersonen eine enorm grosse Rolle, dass die Kinder die Freude am Singen nicht verlieren. Diese Vorbildwirkung steht auch bei der Arbeit mit Erwachsenen im Vordergrund und hilft den oftmals nicht stimmlich gebildeten Sängern, sich trotzdem klanglich wohltuend in einen Gesamtklang einzubringen. 

Was bedeutet euch die musikalische Arbeit mit Kindern und für Kinder?
Monika Engeler Unser Motto für dieses Jahr heisst: «Zäme gohts besser». Was könnte uns mehr entgegenkommen als ein Gemeinschaftswerk? Miteinander in gegenseitiger Ergänzung zeigen, was man kann, kann nur ein Erfolg werden – ein gemeinsamer. 
Stefan Bicker Ich denke, dass viele Kinder sich mit Musik sehr gut ausdrücken können. Es ist auch für schulisch schwächere Schüler eine Möglichkeit, sich zu profilieren. Die Musik hat viel mit Emotionen zu tun und grundsätzlich wird das in der Schule zu wenig gefördert. Meine Klasse hat das Glück, zwei Stunden pro Woche von Fabian Bucher in diesem Fach gefördert zu werden. 

Kinder sind ein sehr kritisches Publikum. Welche Ansprüche haben Kinder als Publikum an ein Kinderkonzert?
Willy Honegger Kinder achten sehr darauf, wie sicher die Mitschüler auf der Bühne agieren. Kinder reagieren schnell und unbarmherzig auf unsichere Vorträge. Je länger das Stück ist, desto spannender und unterhaltender muss die Abfolge der Vorträge sein. Die einstudierenden Lehrpersonen sind also gefordert.
Ruedi Burkhalter Konzerte für Kinder müssen unterhaltend sein. Kinder vergeben Durchhänger oder spannungslose Momente viel weniger als Erwachsene und reagieren mit Unruhe. In unseren Kinderkonzerten haben wir deshalb immer das Show-element betont. Im Kindermusical ist dieses durch die Konzertform automatisch eingebaut. 

Am 25. Februar gab es ein Casting für die Hauptrollen. Das tönt ein bisschen nach Musicstar und war bestimmt ein Highlight im Schulalltag.
Daniel Landolt Ja, das war wirklich ein Highlight. Die Kinder haben sich eifrig auf das Casting vorbereitet und insbesondere die Jüngsten (die Drittklässler) haben sich ganz hervorragend «verkauft». Als Jurymitglied hätte ich am liebsten allen Kindern eine Hauptrolle gegeben! 
Stefan Bicker Sendungen wie Musicstar sind auf der ganzen Welt zur Zeit ein Renner und sicher eine moderne Möglichkeit, wo sich Junge und Junggebliebene zeigen können. Ein ähnliches Modell für die Rollenverteilung an unserem Musical zu nehmen, war sicher sehr ansprechend für unsere Schüler-innen und Schüler und der grosse Andrang und die absolut tolle Stimmung haben uns Recht gegeben.

Auf welche Höhepunkte dürfen sich die Besucherinnen und Besucher freuen?
Ruedi Burkhalter Sowohl an der Premiere vom 11. Juni wie auch an allen anderen Aufführungen erwartet eine Schar von motivierten Kindern und Jugendlichen zusammen mit uns Musikanten und Musikschülern die Besucherinnen und Besucher. Geboten wird fetzige, unterhaltende Musik und eine spannende Handlung, die aber durchaus auch zum Denken anregt. Dabei wird der ganze Anlass ein einziger Höhepunkt sein, der sich nicht so bald wiederholen wird. Ein Besuch lohnt sich also unbedingt! 

Freitag, 11. Juni 2010: 19 Uhr
Samstag, 12. Juni 2010: 10.30/14 Uhr
Sonntag, 13. Juni 2010: 17 Uhr
Turnhalle Schwerzi, Freienbach