Winterkonzert 2009 - Märchenhafte und tragische Momente

Valentin Vogt__

Die Harmonie Freienbach führt die Besucherinnen und Besucher des Winterkonzertes auf einen Streifzug durch die eindrückliche Musik aus der Opern- und Operettenwelt.

Die Harmonie Freienbach lässt Puppen tanzen, spielt märchenhafte Musik, die Fortsetzung zu Wilhelm Tell, Fledermäuse aus Wien, oder was haben Asterix und Obelix im diesjährigen Winterkonzert zu suchen? So oder ähnlich könnte man unser Programm in humoristischer Weise umschreiben. Doch der Reihe nach, die folgenden Erläuterungen helfen sicher weiter.

Asterix und Obelix

Zuerst gleich zur brennendsten Frage: was ist denn nun mit Asterix und Obelix? Die Geschichten von Asterix, Obelix und dem Misteln schneidenden und Zaubertrank zubereitenden Druiden Miraculix spielen bekanntlich um das Jahr 50 v. Chr. in Gallien, und genau dort ist auch die tragische Oper Norma angesiedelt.

Gallien ist von den Römern besetzt und die gallischen Krieger erwarten von ihren Druidenpriestern das Signal zum Kampf gegen die Römer. Die Priesterin Norma verkündet aber nach dem Schneiden der Mistel an der heiligen Eiche, dass die Zeit noch nicht gekommen sei. Norma ist aber auch im inneren Konflikt, weil sie seit langem heimlich die Geliebte des Römers Pollione ist und mit ihm zwei Kinder hat. Pollione hingegen hat sich in eine andere, die Novizin Adalgisa, verliebt und will mit dieser fliehen. Es kommt zu einem Aufeinandertreffen der drei und Norma schwört darauf Rache.

Norma will ihre beiden Knaben töten, doch ihre Mutterliebe siegt. Sie fordert Adalgisa auf, mit Pollione und ihren Kindern nach Rom zu gehen, Pollione lehnt dies aber ab. Erbittert schlägt Norma jetzt an den Schild und gibt das Zeichen zum Kampf gegen die Römer. Der glückliche Ausgang dieses Kampfes soll durch ein Opfer beschworen werden.

Man nimmt einen Römer gefangen, der das Heiligtum entehrt hatte: Es ist Pollione. Er weigert sich, Adalgisa zu entsagen, selbst als Norma droht, als Rache ihre gemeinsamen Kinder umzubringen und Adalgisa im Feuer zu opfern. So lässt sie einen Scheiterhaufen errichten für eine Priesterin, die das Keuschheitsgebot gebrochen habe. Als sie nach dem Namen der Schuldigen gefragt wird, nennt sie in ihrem Gewissenskonflikt ihren eigenen Namen und geht gefasst dem Tod entgegen. Überwältigt und von neuer Liebe erfasst, folgt ihr Pollione.

Märchenhafte Musik oder Vorspiel zu einer Kinderoper

Seit Mozarts Zauberflöte inspirierten Märchen immer wieder unzählige Komponisten, sogenannte Märchenopern zu schreiben. So fand auch das wohl bekannteste Märchen "Hänsel und Gretel" der Gebrüder Grimm Einzug in die Opernhäuser.

Engelbert Humperdincks Schwester plante das Märchenspiel als häusliche Theateraufführung. Sie bat ihren Bruder lediglich um die Vertonung einiger Verse. Als diese im Familienkreis grossen Anklang fanden, wurde beschlossen, ein Singspiel daraus zu machen. Schliesslich wurde Humperdincks Begeisterung so gross, dass er eine abendfüllende Oper komponierte. Hänsel und Gretel war und ist eine der populärsten Opern, zudem die einzige der bekannteren Opern, die als ausgesprochene Kinderoper gilt.

Das Vorspiel, das hin und wieder auch im Konzertsaal erklingt, beschreibt der Kompo- nist selbst in einem Brief wie folgt: "Vergangenen Sonntag habe ich auch die Ouvertüre niedergeschrieben, die ein ziemlich ausgedehntes Musikstück geworden ist, eine Art symphonischer Prolog, den man ein ‹Kinderleben› betiteln könnte. Er beginnt mit dem Schutzengelchoral, von Hörnern vorgetragen, geht dann über in das ‹Hokus Pokus›, welches wiederum der Melodie ‹Die Englein haben's uns im Traum gesagt› weichen muss, woran sich nun lustig ‹Die Hexerei ist nun vorbei› in fröhlichem E-Dur anschliesst. Dann klingt wieder der Choral hinein, der sich nun mit der Melodie ‹Die Englein haben's usw.› organisch verbindet und mit dem triumphierenden ‹Die Hokus-Pokus-Hexerei ist nun vorbei› glanzvoll in C-Dur abschliesst. Es geht etwas lärmend darin zu, aber ‹sunt pueri pueri, pueri puerilia tractant› (Sind Kinder Kinder, stellen Kinder Kindisches an) und für die derbe Knabenstimme passt eben nur die Trompete…"

Tanzende Puppen oder Fortsetzung zu Wilhelm Tell


Tanzende Puppen sind auf Opernbühnen keine Seltenheit, doch als Fortsetzung zu Wilhelm Tell? Nun ja, nachdem Rossini einen unglaublichen Erfolg mit seiner Oper "Wilhelm Tell" feiern konnte, zog er sich kompositorisch etwas zurück und schrieb lediglich kleine Klavierstücke, die unveröffentlicht blieben. Erst als Ottorino Respighi den Auftrag für ein Ballett bekam, besann er sich auf die Klavierstücke von Rossini und verwendete sie im Ballett "La Boutique Fantasque". Zum Inhalt: In Nizza hat ein Puppenmacher ein Geschäft, in dem er mechanische Puppen herstellt, die sprechen, sich bewegen und sogar tanzen können. Es gibt Kosaken, Mohren, Melonenverkäufer und die Figuren des Kartenspiels. Besonders hübsch anzusehen ist ein Paar, welches Cancan tanzen kann. Der geschäftliche Ablauf sieht vor, dass die Kunden zunächst bezahlen und am nächsten Tag wiederkommen, um das Geschenk schön verpackt abzuholen.

Was niemand weiss: Die Puppen haben auch eine Seele, die der Abschiedsschmerz jedes Mal hart trifft, wenn Gespielen verkauft werden. Nachts steigen die Puppen aus Schachteln und Vitrinen, um noch einmal ausgelassen Abschied zu feiern. Diesmal hat das Cancan-Paar einen Käufer gefunden und wird mit dem Schiff über den Ozean reisen. Das ist zuviel für die kleine Gesellschaft, und man denkt an Sabotage, zuvor tanzt man aber noch einmal nach Herzenslust.

Als am nächsten Morgen die Kunden kommen, um die Schachteln abzuholen, sind diese leer. Sie fühlen sich betrogen und randalieren. Die Puppen, die sich versteckt hatten, kommen plötzlich hervor, und gemeinsam mit dem Ladeninhaber werden die Ruhestörer unter Anführung des Kosakenhauptmanns vertrieben. Mit dem Erfolg ist man höchst zufrieden, und vergnügt tanzen die Puppen gemeinsam mit dem Ladenbesitzer.

Wiener Fledermäuse


Die Fledermaus ist eine der wenigen Operetten, die regelmässig auch an grossen internationalen Opernhäusern gespielt werden. Wegen des Maskenball-Themas ist die Aufführung oft an Silvester oder Fasching. "Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist", singt Alfred, der Liebhaber Rosalindes, als der Ahnungslose während seines Besuches bei der Angebeteten fälschlicherweise verhaftet wird.

Als vermeintlicher Ehemann seiner Geliebten soll er die Haftstrafe des wirklichen Gatten, Gabriels von Eisenstein, absitzen. Derweilen befindet sich der untreue Ehemann auf Einladung seines langjährigen Freundes Dr. Falke auf dem Ball des russischen Prinzen Orlofsky. Er solle sich vor dem Knast doch noch von jungen Damen trösten lassen, hat Dr. Falke dem Verurteilten empfohlen. Im Gartenpalais verspricht danach Dr. Falke dem reichen und gelangweilten Prinzen Orlofsky eine amüsante Komödie, die den Gastgeber endlich wieder zum Lachen bringen soll.

Im aufregenden Rausch des feuchtfröhlichen Ballgeschehens will Dr. Falke sich an Eisenstein, der ihn einst in seinem Fledermauskostüm zum Gespött der Leute gemacht hat, rächen. Eisenstein blamiert sich vor der ganzen Gesellschaft, als er in der grossen Schauspielerin "Olga" sein aufmüpfiges Stubenmädchen Adele erkennt, was er aber als illegaler Gefängnisfreigänger verschweigen muss. Auch die französische Unterhaltung, die Eisenstein als Marquis Renard mit dem Chevalier Chagrin, dem Gefängnisdirektor Frank, führen muss, bringt ihn in Verlegenheit. Inzwischen hat Dr. Falke Rosalinde eingeladen. Als maskierte ungarische Gräfin entlockt die wütende Ehefrau dem ahnungslosen Eisenstein eine Taschenuhr als Beweismaterial für dessen Untreue. Jetzt wird klar: Die ganze Inszenierung war die "Rache der Fledermaus".

Sonntag, 22. November 2009, 17 Uhr, St. Meinradskirche, Pfäffikon Text