«Singen tut mir einfach nur gut!»

Andrea Knechtle__

Claudia Kägis grosse Leidenschaft ist das Singen. Ihr liebstes Hobby betreibt die Kindergärtnerin unter der Dusche, bei der Acapella-Formation «Whacky Tunes» und am 10. und 17. April auch an den Frühlingskonzerten.

Wie bist du zum Singen gekommen?
Sei es auf der Bühne, im Auto, unter der Dusche, beim Putzen… singen tut einfach nur gut! Dies entdeckte ich einst im Schülerchor «The Lollipops». Seither lässt mich das Singen nicht mehr los. Ich sang in verschiedenen Chören und anderen Musikprojekten begeistert mit und «pilgerte» auch einige Jahre wöchentlich in den Gesangsunterricht der Zürcher Vocal-and-Performance-School «FeMale Funk Projekt». Hauptsächlich ging es dabei natürlich um die Stimmbildung. Nebenbei lernte ich aber auch viel in anderen Bereichen der Musik hinzu: Musiktheorie, freie Improvisation, Schulung des Musikgehörs usw. waren ebenfalls Teil des Unterrichts.

Kannst du dich an deinen ersten Auftritt erinnern?
Anlässlich eines Lollipop-Konzertes durfte ich mit meinen Freundinnen einen Acapella-Song vorführen, den wir selbstständig einstudierten. Ich weiss noch, wie ich damals stundenlang vor dem Kasettenrecorder sass und die einzelnen Stimmen eines Liedes herauszuhören versuchte. Da ich nicht wusste, wie man so etwas notieren kann, lernte ich alle Stimmen auswendig, um sie anschliessend meinen Freundinnen beibringen zu können.

Was macht für dich eine tolle Stimme aus?
Sie soll vor allem authentisch sein und natürlich Gänsehaut erzeugen. Klar kann man eine Stimme trainieren, die richtige Atemtechnik lernen und den Stimmumfang erweitern. Darüber hinaus braucht eine Stimme jedoch das «gewisse Etwas». Ich denke, dies hat man oder eben nicht. Und schliesslich liegt es im Ohr des Zuhörers, ob ihm eine Stimme zusagt oder nicht.

Du bist Teil des Vokalensembles «Whacky Tunes», das acapella singt. Was ist der Reiz an dieser Art von Gesang?
In einer Acapella-Gruppe ist jeder Sänger gleich wichtig: Sozusagen jeder ein Solist, ohne dessen Stimme das Stück nicht mehr funktioniert. Es gibt keine Instrumental-begleitung, als Sänger ist man so von Anfang bis Schluss gleich gefordert. Ausserdem ist es sehr praktisch, dass man sein «Instrument» immer und überall dabei hat. 

Gibt es acapella-Gruppen, die dich besonders inspirieren?
Mich faszinieren Acappella-Bands, die ihre ganz eigene Note haben und das Publikum damit in ihren Bann ziehen. Ein wunderschön schräges Beispiel dafür waren für mich die «Acapickels». Spannend finde ich auch Gruppen, die grundverschiedene Charaktere stimmig unter einen Hut bringen, ganz nach dem Motto der Berner Acappella-Gruppe «Voxtasy»: «Fife Individuals – One Sound!» Wenn ich es mir recht überlege, passt dieses Motto auch zu den Whacky Tunes…

In welchen Sprachen singt ihr mit «Whacky Tunes»?
Wir singen auf Deutsch, Englisch, Schweizerdeutsch, Spanisch und sogar Schwedisch. Wichtiger als die Sprache ist uns jedoch die musikalische Vielfalt. Unser Repertoire umfasst Cover-Versionen aus verschiedensten Stilrichtungen. Von Evergreens, Pop-Balladen, Country und einer indianischen Volksweise bis hin zum Ländler.

Wie fühlt es sich an, nur mit einem Mikrophon auf der Bühne zu stehen und alle Augen des Publikums auf sich gerichtet?
Auf dem Gipfel der Nervosität fragt man sich vielleicht einen kurzen Moment lang: Warum tue ich mir dies eigentlich an? Wenn aber die ersten Takte gesungen sind, nur noch die Musik im Raum ist und der Auftritt gelingt, kommt ein regelrechtes Hochgefühl auf – eben gerade weil ich für andere Menschen singen darf.

An unserem konzert wirst du mit einem Orchester im Hintergrund singen. Das ist sicher anders, als in der Acapella-Gruppe.
In der Acapella-Gruppe mit sechs Leuten bleibt sehr viel Raum für Improvisation. Wir haben keinen Dirigenten, die Songs leben mehr von der Interaktion zwischen den Sängerinnen und Sängern, als vom genauen Nachsingen der Noten. In einem grossen Orchester funktioniert das natürlich nicht. Hier muss ich mich viel mehr in das Orchester einfügen, damit alles zusammenpasst.

Auf welche musikalischen Höhepunkte schaust du gerne zurück?
Eigentlich ist jeder Auftritt für sich jeweils ein kleines Highlight! Zu den ganz besonderen Erlebnissen zählen aber sicher die Auftritte am Acapella-Festival Pfäffikon oder die Show «Evening of Elvis Tributes» mit Orchester und Elvis-Imitator, wo die «Whackytunes» als Background Vocals mitwirken durften.

Welche Ambitionen hast du für deine musikalische Zukunft?
Ich schreibe sehr gerne Kinderlieder und habe mit meinen Kindergartenkindern auch schon einige Musicals zu verschiedenen Geschichten und Märchen aufgeführt. Gerne würde ich aber einmal ein komplettes Musical für ältere Kinder schreiben und durchführen.

Was ist dir neben der Musik sehr wichtig?
Zur Zeit sind es meine 14 Kids im Kindergarten, Streifzüge durch die Natur, meine Gummiente Bert und feine Ovoschokolade. 

Wann verschlägt es dir die Stimme?
Die Stimme verschlägt es mir eigentlich nicht so schnell, dann schon eher die Sprache. Viele können dies zwar nicht nachvollziehen, aber vor Leuten zu singen, fällt mir viel leichter als beispielsweise einen Vortrag zu halten. Ansonsten stellt mir der gemeine Husten- und Schnupfenbazillus die Stimme ab. Wenn also jemand einen Schal in Wolldecken-Grösse trägt, ist die Chance gross, dass es sich um einen Sänger handelt…

Welche MP3-Files hast du dir kürzlich gekauft? 
Ich glaube das war etwas von Lisa Ekdahl oder war es Steve Wonder, Tower Of Power? Ich weiss es nicht mehr so genau. Mein Musikgeschmack ist eigentlich recht vielseitig – solange es nicht nach 0815-Konserve tönt.

Ohne welche drei Sachen gehst du nicht aus dem Haus?
Erstens: Natel – zum Telefonieren und Musik hören. Zweitens: Meine externe Festplatte – sprich Papier-Agenda. Und drittens: Immer eine Schachtel Ricola Kaubonbons.

Dein Abschlusssatz in diesem Interview?
Uf Widerlose – hoffentlich :-).